Biblischer Begriff
Was bedeutet Herrlichkeit in der Bibel?
„Herrlich“ sagen wir über gutes Wetter oder einen schönen Ausblick. Gottes „Herrlichkeit“ klingt deshalb vielleicht nach besonders hellem Glanz. Solche Bilder kommen in der Bibel tatsächlich vor. Das Wort spricht aber auch von Gottes Größe und Ehre – und davon, wie Menschen erkennen, wer er ist.
Das kann überwältigend aussehen. Im Johannesevangelium wird Gottes Herrlichkeit zugleich an Jesu Hingabe sichtbar. Schönheit oder Helligkeit allein erklären diese Stellen nicht.
Was möchte Mose sehen?
Mose führt nach den Mosebüchern das Volk Israel aus Ägypten. Nachdem das Volk sich ein goldenes Kalb als Götterbild gemacht hat, bittet Mose Gott, es dennoch weiter zu begleiten. In diesem Gespräch bittet er auch, Gottes Herrlichkeit sehen zu dürfen (2. Mose 33,12–23).
Gott antwortet, er werde seine Güte an Mose vorüberziehen lassen und seinen Namen bekannt machen. Mose wird geschützt; den unverhüllten Anblick von Gottes Angesicht kann er nicht ertragen. Im folgenden Kapitel beschreibt Gott sich als barmherzig und treu, ohne Schuld für belanglos zu erklären (2. Mose 34,5–7).
Mose möchte also Gottes Gegenwart erfahren und erkennen, wer Gott ist. Die Antwort zeigt seine Güte und seinen Anspruch. Sie liefert keine bloße Beschreibung eines besonders schönen Lichtes.
Warum ist trotzdem oft von Glanz und Feuer die Rede?
Als Gott dem Volk am Berg Sinai begegnet, erscheint seine Herrlichkeit wie verzehrendes Feuer auf dem Gipfel (2. Mose 24,15–17). Solche Bilder bringen zum Ausdruck, dass seine Gegenwart größer und mächtiger ist als das Gewöhnliche.
Psalm 19 sagt dagegen, der Himmel erzähle von Gottes Herrlichkeit. Hier zeigt sich Gottes Größe an seiner Schöpfung. Nicht jede Erwähnung der Herrlichkeit beschreibt also dieselbe sichtbare Erscheinung.
Im Alten Testament steht häufig das hebräische Wort kavod, im Neuen Testament das griechische doxa. Je nach Stelle können damit Ehre, Größe oder strahlende Pracht gemeint sein. Die oft genannte Verbindung von kavod mit „Gewicht“ kann als Merkhilfe für Bedeutung und Ansehen dienen. Sie ersetzt jedoch nicht die Übersetzung des einzelnen Satzes: „Herrlichkeit“ bedeutet nicht überall wörtlich Schwere.
Wie kann Jesu Tod seine Herrlichkeit zeigen?
Am Anfang des Johannesevangeliums heißt es, dass Gottes Wort Mensch wurde. Damit wird Jesus beschrieben. An ihm erkennen seine Zeugen Herrlichkeit, verbunden mit Gnade und Wahrheit (Johannes 1,14).
Später spricht Jesus angesichts seines bevorstehenden Todes davon, dass die Stunde seiner Verherrlichung gekommen sei. Er vergleicht sein Sterben mit einem Weizenkorn, das in die Erde fällt und Frucht bringt (Johannes 12,23–24). In Johannes 13,31–35 werden Verherrlichung und Jesu Auftrag zur gegenseitigen Liebe eng verbunden.
Der gewaltsame Tod wird dadurch nicht für schön oder das Unrecht seiner Täter für gut erklärt. Johannes deutet Jesu Weg durch Tod und Auferstehung als Offenbarung seiner Hingabe und seiner Beziehung zum Vater. Gottes Größe zeigt sich hier auf eine Weise, die einer gewöhnlichen Vorstellung von Glanz und Erfolg widerspricht.
Was bedeutet es, Gott die Ehre zu geben?
Menschen machen Gott nicht erst bedeutend. Ihn zu verherrlichen heißt, seine Größe anzuerkennen und sie durch Worte und Handeln sichtbar werden zu lassen.
In Matthäus 5,16 fordert Jesus seine Zuhörer auf, so zu handeln, dass andere ihre guten Taten sehen und den Vater im Himmel ehren. Die guten Taten sollen die Menschen also auf Gott aufmerksam machen; sie dienen nicht der Selbstdarstellung.
Beim Lesen hilft deshalb die Frage: Beschreibt „Herrlichkeit“ hier Gottes Gegenwart, seine erkennbare Größe oder die Ehre, die ihm erwiesen wird? Diese Bedeutungen hängen zusammen, sind aber nicht in jedem Satz austauschbar.
Die Antwort auf die Ausgangsfrage
Gottes Herrlichkeit ist seine erkennbare Größe und Gegenwart
Herrlichkeit bezeichnet in der Bibel Gottes Größe, Ehre und die Weise, wie er sich Menschen zu erkennen gibt. Glanz und Feuer können das ausdrücken; sie sind nicht die ganze Bedeutung. Bei Mose werden Gottes Gegenwart und Güte wichtig, bei Johannes auch Jesu Hingabe. Gott zu verherrlichen heißt, diese Größe anzuerkennen und mit dem eigenen Leben auf ihn hinzuweisen.