Biblischer Begriff
Was bedeutet Evangelium in der Bibel?
„Evangelium“ begegnet heute oft als Name eines Bibelbuchs: das Evangelium nach Matthäus oder nach Markus. Ursprünglich bedeutet das Wort „gute Nachricht“. Wenn Jesus Menschen auffordert, an das Evangelium zu glauben, meint er die Nachricht, dass Gott ihnen mit seiner rettenden Herrschaft nahekommt.
Nach Jesu Tod und Auferstehung verkünden seine ersten Nachfolger, was Gott durch ihn getan hat. Diese Botschaft steht auch im Mittelpunkt der vier Bücher über Jesus. Der Name des Buchs und die darin erzählte gute Nachricht gehören also zusammen.
Welche gute Nachricht verkündet Jesus?
Markus fasst Jesu Verkündigung so zusammen: Die Zeit ist erfüllt, Gottes Reich ist nahe gekommen; die Menschen sollen umkehren und an das Evangelium glauben (Markus 1,14–15).
Mit Gottes Reich ist hier seine Herrschaft gemeint, die Menschen rettet und ihr Leben verändert. Die Menschen sollen darauf antworten, indem sie sich von Unrecht abwenden und Gott vertrauen. Diese Antwort heißt Umkehr und Glaube. Sie folgt auf die gute Nachricht von Gottes Handeln.
Der Hintergrund reicht in das Alte Testament zurück. In Jesaja 52,7–10 kündigt der Freudenbote Frieden und Rettung an: Gott herrscht als König. In Lukas 4,16–21 bezieht Jesus die Verheißung guter Nachricht für die Armen aus Jesaja 61 auf sein eigenes Auftreten.
Seine Heilungen, Befreiungen und seine Zuwendung zu Ausgestoßenen zeigen, wie diese Herrschaft wirksam wird. Zur Botschaft gehören zugleich Umkehr, Vergebung, Nachfolge und die Erwartung des Gerichts.
Verkündet Paulus etwas anderes?
Paulus verkündete Jesus in der frühen Christenheit und schrieb Briefe an christliche Gemeinden. In seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 15, erinnert er an die Botschaft, die er selbst empfangen und weitergegeben hat: Christus starb für unsere Sünden, wurde begraben, auferweckt und erschien Zeugen.
Paulus blickt also auf Ereignisse zurück, die während Jesu Verkündigung noch bevorstanden. Jesus spricht während seines Wirkens von Gottes kommender Herrschaft; Paulus verkündet nach Jesu Auferstehung, was dessen Tod und neues Leben für die Menschen bedeuten.
Die Verbindung steht aber bereits in den Evangelien. Jesus kündigt seinen Tod an und beschreibt sein Leben als Hingabe für andere (Markus 10,45). Paulus wiederum verbindet die Auferstehung mit Christi Herrschaft und dem künftigen Ende des Todes (1. Korinther 15,20–28).
Die Texte lassen sich deshalb am besten als zusammenhängende Botschaft mit verschiedenen Schwerpunkten lesen. Diese Verbindungen sprechen gegen die Behauptung, Paulus habe unabhängig ein völlig anderes Evangelium erfunden.
Gehören Umkehr und gute Werke zum Evangelium?
Gottes rettendes Handeln und die menschliche Antwort müssen unterschieden werden. Eine Nachricht über Christus wird nicht dadurch wahr, dass jemand gut handelt. Sie ruft aber zu Glauben, Umkehr und einem veränderten Leben.
Das Neue Testament verbindet diese Antwort auch mit Taufe, Bekenntnis und Nachfolge. Ein Glaube, der bewusst an Unrecht festhalten will, entspricht diesem Ruf nicht.
Christliche Kirchen erklären unterschiedlich, wie Glaube, gute Taten und kirchliche Handlungen wie die Taufe zusammengehören. Dahinter steht die Frage, wie Gott einen Menschen trotz seiner Schuld annimmt und sein Leben erneuert. Der theologische Begriff dafür ist Rechtfertigung. Das Augsburger Bekenntnis IV und VI betont den unverdienten Zuspruch und die daraus folgenden Werke. Die katholische Lehre bezieht innere Erneuerung stärker in den Begriff der Rechtfertigung ein. Beide beginnen bei Gottes Gnade in Christus.
Warum heißen auch vier Bücher „Evangelium“?
Matthäus, Markus, Lukas und Johannes erzählen Jesu Geschichte. Sie bezeugen seine Lehre, sein Wirken, seinen Tod und seine Auferstehung aus jeweils eigener Perspektive.
Im Neuen Testament meint das griechische euangelion meist die verkündigte Botschaft. Für die entsprechenden Jesusberichte wurde „Evangelien“ früh ebenfalls zur Bezeichnung; der christliche Schriftsteller Justin bezeugt diesen Gebrauch im zweiten Jahrhundert.
Wer „Evangelium“ liest, sollte deshalb unterscheiden: Ist die gute Nachricht gemeint, ihre Verkündigung oder eines der vier Bücher? Die Bedeutungen gehören zusammen, sind im einzelnen Satz aber nicht austauschbar.
Die Antwort auf die Ausgangsfrage
Das Evangelium ist die gute Nachricht von Gottes Rettung durch Jesus
Im Neuen Testament meint Evangelium vor allem eine Botschaft: Gott wendet sich den Menschen rettend zu. Jesus verkündet seine nahegekommene Herrschaft; nach Ostern verkünden seine Nachfolger Jesu Tod für die Sünden und seine Auferstehung. Diese Nachricht ruft zu Vertrauen, Umkehr und einem veränderten Leben. Die vier Evangelien heißen so, weil sie diese gute Nachricht anhand der Geschichte Jesu erzählen.