PHANEIA

Biblischer Begriff

Was bedeutet ewiges Leben in der Bibel?

„Ewiges Leben“ klingt nach einem Leben, das nach dem Tod beginnt und dann niemals endet. Die Bibel enthält diese Zukunftshoffnung. Das Johannesevangelium spricht aber auch von Menschen, die ewiges Leben bereits jetzt „haben“ – obwohl sie noch sterben werden.

Es geht dort also um mehr als die Dauer des Lebens. Gemeint ist auch die Gemeinschaft mit Gott, die durch das Vertrauen auf Jesus beginnt. Diese Gemeinschaft hat eine Zukunft über den Tod hinaus: Jesus verspricht, die Glaubenden aufzuerwecken.

Beginnt ewiges Leben erst nach dem Tod?

Im Johannesevangelium erklärt Jesus, dass er im Auftrag Gottes, seines Vaters, handelt und Menschen Leben gibt. Er sagt: Wer sein Wort hört und dem glaubt, der ihn gesandt hat, hat ewiges Leben. Dieser Mensch sei bereits aus dem Tod in das Leben hinübergegangen (Johannes 5,24).

Christen werden damit nicht schon biologisch unsterblich. Der Vers spricht von einem veränderten Verhältnis zu Gott: Jesu Wort wird gehört, dem Vater wird geglaubt, und das endgültige Todesurteil bestimmt diesen Menschen nicht mehr.

Später betet Jesus für die Menschen, die ihm anvertraut sind. In diesem Gebet beschreibt er ewiges Leben damit, Gott und ihn selbst zu erkennen (Johannes 17,3). Gemeint ist im Zusammenhang mehr als Wissen über Gott: Die Menschen vertrauen ihm, gehören zu ihm und leben in Gemeinschaft mit ihm.

Warum ist die Auferstehung dann noch nötig?

Nur wenige Verse nach der Aussage über das gegenwärtige Leben spricht Jesus von Menschen in den Gräbern, die seine Stimme hören werden. Er unterscheidet die Auferstehung des Lebens und die Auferstehung des Gerichts (Johannes 5,28–29).

Johannes 6 verbindet beides besonders deutlich: Der Glaubende hat ewiges Leben, und Jesus wird ihn am letzten Tag auferwecken. Die Zukunftshoffnung wird also nicht durch eine innere Erfahrung ersetzt.

Eine Erzählung macht diese Hoffnung an einem Todesfall sichtbar. Martha trauert um ihren Bruder Lazarus. Jesus sagt ihr, dass er selbst die Auferstehung und das Leben ist: Wer an ihn glaubt, werde leben, auch wenn er stirbt. Anschließend ruft er Lazarus aus dem Grab (Johannes 11). Lazarus kehrt damit ins irdische Leben zurück; das ist noch nicht die endgültige Auferstehung in ein Leben ohne Tod.

Was heißt „ewig“?

Der griechische Ausdruck lautet zōē aiōnios. Das Wort aiōnios kann je nach Zusammenhang „ewig“, „bleibend“ oder „zur kommenden Weltzeit gehörig“ bezeichnen. Mit der kommenden Weltzeit ist Gottes erwartete neue Welt gemeint. Seine Bedeutung ergibt sich nicht allein aus seiner Wortwurzel.

Schon Daniel 12,2 verbindet ewiges Leben mit Auferstehung und Gericht. Bei Johannes geht es sowohl darum, dass dieses Leben bleibt, als auch darum, was es ausmacht: Es ist Leben aus Gott und in Gemeinschaft mit Christus.

Eine unbegrenzt verlängerte Fortsetzung des jetzigen Daseins wäre deshalb noch keine vollständige Erklärung. Johannes spricht auch von der Befreiung vom endgültigen Tod und von einer erneuerten Beziehung zu Gott.

Was hat das mit Essen und Trinken in Johannes 6 zu tun?

Im sechsten Kapitel des Johannesevangeliums nennt Jesus sich das Brot des Lebens. So wie Brot den Körper ernährt, gibt er den Menschen Leben. Er fordert sie auf, zu ihm zu kommen und ihm zu glauben. Später spricht er davon, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken. Damit entsteht die Frage, wie sein Leben empfangen wird.

Katholische und orthodoxe Auslegungen beziehen diese Rede besonders auf die Eucharistie, die Feier mit Brot und Wein zur Gemeinschaft mit Christus. Auch andere Kirchen feiern dieses Mahl, meist unter dem Namen Abendmahl. Die konkrete Sprache von Fleisch und Blut und die versprochene bleibende Gemeinschaft mit Jesus stützen einen solchen Bezug. Andere Ausleger verstehen das Essen zuerst als Bild für den gläubigen Empfang Jesu und seiner Hingabe.

Auch die reformierte Tradition kann die Rede auf geistliche Gemeinschaft mit Christus und von dort auf das Abendmahl beziehen, wie im Heidelberger Katechismus, Fragen 75–77.

Wie genau die Rede mit dem Abendmahl zusammenhängt, ist umstritten. Zum Glauben ruft Jesus in diesem Kapitel ausdrücklich auf. Das Kapitel begründet deshalb keine automatische Wirkung, bei der eine äußerliche Teilnahme am Mahl unabhängig vom Glauben ewiges Leben vermittelt.

Bedeutet dieses Leben schon jetzt ein Leben ohne Leid?

Johannes 10,10 spricht vom Leben in Fülle. Im selben Zusammenhang ist Jesus der Hirte, der sein Leben für die Schafe hingibt. „Fülle“ ist deshalb keine Zusage von Wohlstand oder ununterbrochener Gesundheit.

Die Hoffnung reicht weiter: Die Gemeinschaft mit Christus wird durch den leiblichen Tod nicht endgültig beendet. Sie findet ihre Vollendung in der Auferstehung. Damit umfasst ewiges Leben auch den Leib und die Zukunft des Menschen.

Die Antwort auf die Ausgangsfrage

Ewiges Leben beginnt mit Gott und reicht über den Tod hinaus

Ewiges Leben meint im Johannesevangelium Gemeinschaft mit Gott durch Jesus. Sie beginnt schon jetzt im Glauben, obwohl Menschen weiterhin leiden und sterben. Jesus verspricht zugleich ihre Auferstehung. Gemeint ist deshalb sowohl ein heute verändertes Verhältnis zu Gott als auch wirkliches Leben über den Tod hinaus, das in der Auferstehung vollendet wird.