PHANEIA

Biblischer Begriff

Was bedeutet es, dass Jesus der Mittler ist?

Ein Vermittler bringt heute etwa zwei streitende Menschen wieder ins Gespräch. Wenn die Bibel Jesus einen „Mittler“ nennt, reicht seine Aufgabe weiter: Er erklärt Gott und den Menschen nicht nur die jeweils andere Seite. Nach dem Neuen Testament stellt er durch seine Lebenshingabe die durch Schuld beschädigte Beziehung zu Gott wieder her.

Dass dieser Zugang durch Jesus geschieht, soll Menschen das Gebet ermöglichen. Sie müssen also nicht auf Abstand bleiben, weil sie angeblich nur über einen Mittelsmann mit Gott sprechen dürften.

Was ist an Jesu Mittlerschaft einzigartig?

Im ersten Timotheusbrief, einem Brief des Neuen Testaments, steht die Aussage, dass es einen Gott und einen Mittler zwischen Gott und Menschen gibt: Christus Jesus. Unmittelbar anschließend wird erklärt, dass Jesus sein Leben für alle hingegeben hat (1. Timotheus 2,5–6). Seine besondere Stellung beruht auf dieser Hingabe.

Der Hebräerbrief bezeichnet Jesus deshalb auch als Mittler des neuen Bundes (Hebräer 9,15). „Bund“ meint hier die von Gott begründete Beziehung zu seinem Volk. Durch Christus wird diese Beziehung erneuert: Menschen empfangen Vergebung und können zu Gott kommen.

Die Aussage vom einen Mittler schließt eine zweite, von Christus unabhängige Rettung aus. Sein Werk wird dabei nicht als unzureichend beschrieben, als müsste jemand anderes es erst vervollständigen.

Kann ich mich dann direkt an Gott wenden?

Der Hebräerbrief fordert Christen gerade dazu auf, mit Zuversicht zu Gott zu kommen (Hebräer 4,14–16; 10,19–22). Dieser Zugang geschieht durch Christus. Epheser 2,18 beschreibt ihn als Zugang durch den Sohn, in einem Geist, zum Vater.

Durch Jesus können Menschen selbst zu Gott beten. Das verbietet nicht, andere um ihr Gebet zu bitten. Dieses Beten für andere heißt Fürbitte. Gerade der erste Timotheusbrief fordert zunächst dazu auf, für alle Menschen zu beten, und nennt wenige Sätze später Christus den einen Mittler (1. Timotheus 2,1–6). Beide Aussagen stehen dort bewusst zusammen.

Auch Verkündigung, Taufe und gegenseitige Ermutigung haben im Neuen Testament ihren Platz. Persönlicher Zugang zu Gott und empfangene Hilfe durch andere gehören zusammen.

Was vermittelt Mose?

Die Mosebücher erzählen, wie Gott am Berg Sinai zu den Israeliten spricht. Das Volk erschrickt vor der Begegnung und bittet seinen Anführer Mose, Gottes Worte zu empfangen und weiterzugeben. Mose übernimmt hier also die Vermittlung zwischen Gott und dem Volk.

In 5. Mose 5,5 beschreibt Mose seine Stellung: Er stand zwischen dem Herrn und dem Volk. Er übermittelt Gottes Wort und Israels Antwort. Später bittet Mose für das Volk um Vergebung, nachdem es sich ein goldenes Kalb als Götterbild gemacht hat.

Diese Vermittlung dient der Gemeinschaft mit Gott. Sie bedeutet nicht, dass Gott sein Volk grundsätzlich auf Abstand halten möchte. In 2. Mose 19,4 sagt er, dass er Israel zu sich gebracht hat.

Warum braucht es Priester?

Israels Priester aus dem Stamm Levi haben die Aufgabe, am Heiligtum zu dienen, dem Ort der besonderen Begegnung mit Gott. Sie bringen Opfer dar, lehren und segnen das Volk.

Die Vorschriften für den Versöhnungstag beschreiben diesen Zugang besonders genau. Nur der Hohepriester, der oberste Priester, darf an diesem Tag mit Opferblut hinter den Vorhang in den innersten Bereich des Heiligtums treten. Dabei sind auch Opfer für seine eigene Schuld nötig (3. Mose 16).

Der Hebräerbrief versteht diese Ordnung als Vorbereitung auf Christus. Die Priester sind sterblich; die Opfer werden wiederholt. Christus dagegen wird als bleibender Hohepriester beschrieben, der sich selbst ein für allemal hingibt (Hebräer 7,23–28).

Wie passen Kirche, Sakramente und Heilige dazu?

Unter Sakramenten verstehen Kirchen heilige Handlungen wie Taufe und Abendmahl, durch die Gott Menschen seine Gnade zuwendet. Wie solche Handlungen und kirchliche Dienste mit Jesu Mittlerschaft zusammenhängen, erklären die Kirchen unterschiedlich.

Katholische und orthodoxe Auslegungen verstehen kirchliche Dienste, Sakramente und die Fürbitte der Heiligen als von Christus abhängige Mitwirkung: Er handelt nach dieser Sicht durch seine Kirche. Diese Sicht behauptet nicht, er müsse durch weitere Erlöser ergänzt werden. Lumen gentium 60–62 betont ausdrücklich die Unterordnung jeder solchen Mitwirkung.

Protestantische Einwände richten sich besonders gegen zusätzliche Zugangsvoraussetzungen und die Anrufung verstorbener Heiliger. Das Neue Testament fordert zur Fürbitte füreinander auf; ein ebenso eindeutiges Gebot zur Heiligenanrufung fehlt. Das Augsburger Bekenntnis XXI verweist deshalb auf Christus als Mittler und Fürsprecher.

Die Formulierung „ein Mittler“ entscheidet nicht allein jede Frage über Sakramente oder kirchliche Ämter. Ob etwa eine kirchliche Handlung Zugang zu Gott vermittelt, muss zusätzlich an den Aussagen über diese Handlung geprüft werden. Sie setzt aber eine Grenze: Jede menschliche Vermittlung bleibt von Christus abhängig.

Die Antwort auf die Ausgangsfrage

Jesus als Mittler ermöglicht den Zugang zu Gott

Jesus ist nach dem Neuen Testament der Mittler, weil seine Lebenshingabe Vergebung und eine erneuerte Beziehung zu Gott ermöglicht. Er überbringt also nicht nur Nachrichten zwischen zwei Parteien. Durch ihn können Menschen selbst zu Gott beten. Andere dürfen für sie beten und ihnen im Glauben helfen; sie werden dadurch nicht zu einem zweiten, von Jesus unabhängigen Retter.